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Lieferantenaudit mit Checkliste

Ein Lieferantenaudit zeigt vor dem ersten Auftrag, ob ein Hersteller Qualität, Menge und Termine schafft. Ablauf und Checkliste aus der Praxis.

Veröffentlicht am · 2 Min. Lesezeit

Hand mit Stift auf einem Klemmbrett neben einem Produktkarton
Foto: Kristin Hardwick / StockSnap (CC0)

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Lieferantenaudit zeigt vor dem ersten Auftrag, ob ein Hersteller Qualität, Menge und Termine schafft.

  • Es gibt System-, Prozess-, Produkt- und Sozialaudits – für neue Lieferanten lohnt meist eine Kombination.

  • Die Checkliste umfasst Kapazität, Qualitätsmanagement, Prüfberichte, Kennzeichnung, Arbeitsbedingungen und Exporterfahrung.

  • Ein Zertifikat wie ISO 9001 ersetzt kein Audit vor Ort.

Ein Lieferantenaudit ist die Prüfung eines Lieferanten vor Ort oder anhand von Unterlagen. Es beantwortet vor dem ersten Auftrag die entscheidende Frage: Kann dieser Hersteller die gewünschte Qualität in der benötigten Menge zum vereinbarten Termin liefern – und das unter fairen Bedingungen?

Welche Arten von Audits gibt es?

  • Systemaudit: Wie ist das Qualitätsmanagement aufgebaut, gibt es klare Abläufe und Verantwortliche?

  • Prozessaudit: Wie läuft die Fertigung des konkreten Produkts, wo entstehen Fehler?

  • Produktaudit: Erfüllen fertige Teile die Spezifikation?

  • Sozialaudit: Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Sicherheit – zunehmend wichtig mit Blick auf Sorgfaltspflichten in der Lieferkette

So läuft ein Lieferantenaudit ab

  1. Vorauswahl: Selbstauskunft, Zertifikate und Referenzen anfordern

  2. Vorbereitung: Produktanforderungen, Mengen und Termine klären, Checkliste festlegen

  3. Besuch vor Ort: Rundgang durch Wareneingang, Fertigung, Prüfplätze und Lager

  4. Gespräche: mit Geschäftsführung, Qualitätsverantwortlichen und – wenn möglich – Mitarbeitenden in der Fertigung

  5. Bewertung: Abweichungen dokumentieren und gewichten

  6. Maßnahmen: Verbesserungen vereinbaren, Fristen setzen und nachprüfen

Checkliste für das Lieferantenaudit

Unternehmen und Kapazität

  • Gründungsjahr, Eigentumsverhältnisse, eigene Fertigung oder Handelsfirma?

  • Maschinenpark, Schichtbetrieb und freie Kapazität für Ihre Menge

  • Erfahrung mit Kunden im Zielmarkt EU und vergleichbaren Produkten

Qualität

  • Zertifikate wie ISO 9001 – gültig und für den richtigen Standort?

  • Wareneingangsprüfung für Rohmaterial und Zukaufteile

  • Prüfungen während der Fertigung und vor der Verpackung, mit Aufzeichnungen

  • Umgang mit Reklamationen und Fehlerursachen

Produkt und Kennzeichnung

  • Muster entsprechen der Spezifikation, Abweichungen sind dokumentiert

  • Prüfberichte für Materialien und Sicherheit im Zielmarkt

  • Kennzeichnung und Verpackung nach EU-Vorgaben, z. B. Produktsicherheitsverordnung

Soziale Verantwortung und Umwelt

  • Arbeitszeiten, Löhne, Arbeitsschutz und Brandschutz

  • Sozialaudits wie amfori BSCI oder SMETA – Datum und Ergebnis

  • Umgang mit Chemikalien und Abfall

Lieferfähigkeit

  • Termintreue bei bestehenden Kunden

  • Erfahrung mit Export, Verpackung für Seefracht und Zolldokumenten

  • Kommunikation: feste Ansprechperson, Reaktionszeit, Englischkenntnisse

Woran Sie ein schwaches Audit erkennen

Ein Audit ist nur so gut wie seine Vorbereitung. Typische Warnzeichen: Der Rundgang führt nur durch vorbereitete Bereiche, Zertifikate gehören zu einem anderen Standort, oder die gezeigte Fertigung passt nicht zur angegebenen Kapazität. Dann lohnt ein zweiter, unangekündigter Besuch oder eine unabhängige Prüfung.

Schlagworte:LieferantenauditChecklisteLieferantenbewertungQualitätSozialaudit

Häufige Fragen

Wie oft sollte ein Lieferant auditiert werden?

Vor dem ersten Auftrag und danach je nach Risiko – bei wichtigen Lieferanten meist einmal im Jahr, nach Qualitätsproblemen sofort.

Reicht ein Zertifikat wie ISO 9001 statt eines Audits?

Nein. Ein Zertifikat zeigt, dass ein Qualitätssystem existiert, aber nicht, ob Ihr Produkt in der benötigten Qualität und Menge gefertigt werden kann.

Was kostet ein Lieferantenaudit?

Das hängt von Land, Dauer und Umfang ab. Gemessen am Risiko eines Fehlauftrags ist ein Audit fast immer die günstigere Wahl.

Kann man ein Lieferantenaudit auslagern?

Ja. Eine Beschaffungsagentur mit Kontakten vor Ort kann Audits übernehmen, die Ergebnisse bewerten und Verbesserungen nachhalten.

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