Ein Lieferantenaudit ist die Prüfung eines Lieferanten vor Ort oder anhand von Unterlagen. Es beantwortet vor dem ersten Auftrag die entscheidende Frage: Kann dieser Hersteller die gewünschte Qualität in der benötigten Menge zum vereinbarten Termin liefern – und das unter fairen Bedingungen?
Welche Arten von Audits gibt es?
Systemaudit: Wie ist das Qualitätsmanagement aufgebaut, gibt es klare Abläufe und Verantwortliche?
Prozessaudit: Wie läuft die Fertigung des konkreten Produkts, wo entstehen Fehler?
Produktaudit: Erfüllen fertige Teile die Spezifikation?
Sozialaudit: Arbeitsbedingungen, Arbeitszeiten, Sicherheit – zunehmend wichtig mit Blick auf Sorgfaltspflichten in der Lieferkette
So läuft ein Lieferantenaudit ab
Vorauswahl: Selbstauskunft, Zertifikate und Referenzen anfordern
Vorbereitung: Produktanforderungen, Mengen und Termine klären, Checkliste festlegen
Besuch vor Ort: Rundgang durch Wareneingang, Fertigung, Prüfplätze und Lager
Gespräche: mit Geschäftsführung, Qualitätsverantwortlichen und – wenn möglich – Mitarbeitenden in der Fertigung
Bewertung: Abweichungen dokumentieren und gewichten
Maßnahmen: Verbesserungen vereinbaren, Fristen setzen und nachprüfen
Checkliste für das Lieferantenaudit
Unternehmen und Kapazität
Gründungsjahr, Eigentumsverhältnisse, eigene Fertigung oder Handelsfirma?
Maschinenpark, Schichtbetrieb und freie Kapazität für Ihre Menge
Erfahrung mit Kunden im Zielmarkt EU und vergleichbaren Produkten
Qualität
Zertifikate wie ISO 9001 – gültig und für den richtigen Standort?
Wareneingangsprüfung für Rohmaterial und Zukaufteile
Prüfungen während der Fertigung und vor der Verpackung, mit Aufzeichnungen
Umgang mit Reklamationen und Fehlerursachen
Produkt und Kennzeichnung
Muster entsprechen der Spezifikation, Abweichungen sind dokumentiert
Prüfberichte für Materialien und Sicherheit im Zielmarkt
Kennzeichnung und Verpackung nach EU-Vorgaben, z. B. Produktsicherheitsverordnung
Soziale Verantwortung und Umwelt
Arbeitszeiten, Löhne, Arbeitsschutz und Brandschutz
Sozialaudits wie amfori BSCI oder SMETA – Datum und Ergebnis
Umgang mit Chemikalien und Abfall
Lieferfähigkeit
Termintreue bei bestehenden Kunden
Erfahrung mit Export, Verpackung für Seefracht und Zolldokumenten
Kommunikation: feste Ansprechperson, Reaktionszeit, Englischkenntnisse
Woran Sie ein schwaches Audit erkennen
Ein Audit ist nur so gut wie seine Vorbereitung. Typische Warnzeichen: Der Rundgang führt nur durch vorbereitete Bereiche, Zertifikate gehören zu einem anderen Standort, oder die gezeigte Fertigung passt nicht zur angegebenen Kapazität. Dann lohnt ein zweiter, unangekündigter Besuch oder eine unabhängige Prüfung.


